Sonntag, 25. Januar 2009

Home, sweet home

Vor ca. 10 Tagen bin ich in einen echten amerikanischen Trailer gezogen. Ja, ihr habt richtig gehört - diese riesigen besseren Wohnwagen, die man nur aus schlechten Filmen kennt, in denen der white trash, die weiße Unterschicht, wohnt (jemand wie Vicky Pollard, für alle Little-Britain-Fans :-)) und wo öfters mal Leute mit dem Schlachtermesser umgebracht werden.

Soweit die gängigen Vorurteile aus Deutschland *gg*. Nein, im Ernst - es ist wirklich nett hier ;-). Unsere Nachbarn sind meist ältere Leute, deshalb ist es sehr ruhig. In unserem Trailerpark gibt es auch fast nur neuere, gepflegte Trailer.

Straße

unser "Haus" - man beachte die US-Flagge!

andere Seite

In dem Ding ist mehr Platz, als man denkt - 2 1/2 Schlafzimmer, ein großes Wohnzimmer, vollausgestattete Küche und Bad sowie eine große überdachte Terasse, die allerdings momentan aufgrund der Kälte mit Plastikfolie abgeklebt ist (wie die Schlafzimmerfenster im Übrigen auch). Dies dient als zusätzliche Wärmeisolierung (ja, wir haben wirklich eine Heizung!! Und nein, es ist nicht kalt. Meistens wenigstens :-)). Hinter dem Haus gibt es noch einen Schuppen sowie eine Wiese (imaginär, unter dem Schnee), wo man im Sommer bestimmt schön draußen sitzen und grillen kann.

front porch

Ein Nachteil ist die Entfernung zum Campus. Zu Fuß braucht man ca. 40 Minuten, mit dem Rad ca. 15 min. Der Bus hält 5 Minuten entfernt und braucht ca. 20 min zur Uni, fährt aber nur einmal in der Stunde und auch nur wochentags bis 18 Uhr. Da meine Mitbewohnerinnen aber beide Autos haben und ich Dienstags und Donnerstags sowieso komplett zuhause arbeiten werde, ist das aber okay.

mein Zimmer

mein Zimmer - andere Seite

Das beste ist, dass ich endlich wieder mein eigenes Zimmer habe und dazu noch doppelt so viel Platz wie im Wohnheim. Privatsphäre ist doch etwas Gutes! Die Möbel habe ich alle geschenkt oder geliehen bekommen - bis auf den Schreibtisch und das Bücherregal, und die waren auch nicht teuer. Es ist zwar alles nicht das Neueste und Hübscheste, aber es erfüllt seinen Zweck.

Wohnzimmer

Küche mit allem, was das Herz begehrt

Bad. Mit Badewanne, Waschmaschine und Trockner. Und keine Rasierklingen auf dem Fußboden mehr!!!

Amanda und Sarah. Ja, sie sind ein bisschen verrückt - wir passen zusammen ;-)!

Meine beiden Mitbewohnerinnen, Sarah und Amanda, studieren beide wie ich und sind höchst umgänglich, lieb und ordentlich. Dadurch, dass wir die Miete und die Einkäufe durch 3 teilen, kommen wir alle sehr günstig dabei weg. Es ist toll, abends nach Hause zu kommen und Menschen anzutreffen, die man mag und denen man wichtig ist. Wir kaufen zusammen ein, kochen, waschen ab, putzen gemeinsam und haben viel Spaß - fast wie in einer richtigen Familie. I'm at home.

Donnerstag, 22. Januar 2009

Streber!!

So, ihr Lieben, jetzt muss ich doch mal ein bisschen angeben :-). Gestern erreichte mich ein großer Brief aus dem "Office of the Provost & Vice Chancellor", darin dieses hübsche Blatt Papier:


Der Stress hat sich also doch gelohnt. Hier meine Notenübersicht (die Formatierung ist leider ein bisschen verschoben):

Course No Sec Crs Grade Points Course/Subtitle Messages ENGL 327 1 3.0 A 12.00 VICTORIAN LITERATURE IN
TRANSITION
32 ENGL 334 1 3.0 A 12.00 SHAKESPEARE: TRAGEDIES&LATR
PLAYS
32 ENGL 385 2 3.0 A 12.00 MAJOR AUTHORS: W M THACKERAY 32 POLI 391 1 3.0 A 12.00 AMERICAN POLITICAL THOUGHT 64 SEMESTER CUMULATIVE GPA Credits Points GPA Credits Points Crs to Grad Acad Status Semester Honors UGrad: Grad: 4.00 12.0 48.00 0.00 0.0 0.00 4.00 0.00 12.0 0.0 48.00 0.00 102.0 0.0 HIGHEST
HONORS
University of Wisconsin-Stevens Point
Grade Report
Term: 200810 - SEM I 2008-09 Classification: 1ST SEM SENIOR
...und noch ein kleines Ranking:









Size
Rank-------Percentile

University:





772 1


99

College of LS:





362 1


99


:-) :-) :-) SOLI DEO GLORIA!

Freitag, 16. Januar 2009

Bewegte Ferien

Zuerst einmal darf ich euch allen noch nachträglich ein frohes und gesegnetes Neues Jahr 2009 wünschen! Dieser Blog wird noch eine Weile länger existieren, da mein Abenteuer Wisconsin in die zweite Runde geht. Ich werde noch ein weiteres Semester bleiben und in den kommenden Wochen und Monaten hier meine Bachelorarbeit verfassen.

Davor ist aber noch ein paar wenige Tage Ruhe. Doch obwohl die Winterferien in den USA nur knapp vier Wochen dauern, habe ich bereits ein großes Reise- und Erlebnispensum hinter mich gebracht: In den letzten Wochen bin ich während 7 Flügen auf 5 verschiedenen Flughäfen gelandet, habe an 9 verschiedenen Orten übernachtet – und das alles ohne ein richtiges Zuhause.

Nach meinem Auszug aus dem Wohnheim – direkt nach Abgabe des letzten Papers – und dem Wochenende in Chicago flog ich über Weihnachten nach Deutschland. Diese Grenzüberschreitung erforderte ein neues Visum, und so durfte ich mir den ganzen Spaß auf dem Konsulat noch einmal antun :-). Das Gute ist, dass es beim zweiten Mal schon viel weniger stressig ist, da gewohnter.
Durch großartige Unterstützung aus Stevens Point (thanks, Brad!) hatte ich es tatsächlich geschafft, den letzten zwischen den Jahren verfügbaren Termin (23. Dezember, 8:45 Uhr) für ein Visumsinterview zu bekommen – allerdings genau 90 Minuten nach meiner geplanten Landung in Frankfurt (7:15 Uhr). So war mal wieder Spannung angesagt, vor allem auch angesichts der häufigen Flugabsagen wegen schlechten Wetters in Chicago. Doch am 22. Dezember 2008 herrschte strahlender Sonnenschein über dem Bundesstaat Illinois, sodass meine Maschine sogar 15 Minuten eher als geplant abhob. Wir landeten um 7 Uhr in Frankfurt, und um genau 8:29 stand ich vor dem Konsulat. Eigentlich unglaublich, wie perfekt das funktioniert hat! Doch es kommt noch besser: Nach ca. dreistündiger Wartezeit im Konsulat wurde mir mitgeteilt, dass das Visum schon genehmigt ist und sie es so schnell wie möglich abschicken werden. Das Zittern begann von neuem, da ich ursprünglich schon am 30. Dezember wieder in die USA fliegen wollte (und normalerweise wartet man mindestens 2 Wochen auf solch ein Visum). Doch – oh Wunder – als wir am 27. nach ein paar ruhigen Tagen aus der Rhön zurückkamen, lag ein großer DHL-Brief im Briefkasten. Mit einem brandneuen Visum!!!! Unglaublich. Und ich habe auf wundersame Weise sogar überhaupt nichts für den Versand bezahlt. WOW!

Trotzdem habe ich mich entschlossen, noch über Neujahr zuhause zu bleiben und wenigstens ein oder zwei alte Freunde zu besuchen. Der ganze Aufenthalt war anstrengend genug, da ich auch noch etliche Sachen aus Kassel holen musste und meine Familie auch gerne etwas von mir haben wollte :-). Ich selber trug noch mehr zur Spannung bei, als ich am 1. Januar um 3 Uhr morgens den Reifen unseres Autos platt fuhr, mit dem wir am nächsten Tag zum Flughafen fahren wollten (dank ADAC und vorhandener Sommerreifen aber im Handumdrehen behoben). Ihr seht also, mein Leben ist voller Abenteuer!! Trotz des Stresses, des Aufwands und des folgenden Jetlags war es aber eine gute Zeit in Deutschland.

Am 2. Januar kam ich dann wieder in den USA an und durfte auch einreisen, nachdem ich eine Stunde vor dem Immigration-Schalter gewartet hatte und auch noch einen falschen Stempel in meinen Pass bekommen hatte. Oh je, diese Behörden… Mein Flugzeug nach Stevens Point war zu allem Überfluss dann noch 2 Stunden verspätet, sodass sich mein Abholdienst lange auf dem großen und interessanten Central Wisconsin Airport vergnügen durfte ;-). Erst im Rückblick merke ich, wie stressig das alles war. Aber nichtsdestotrotz bin ich immer sicher und gesund angekommen und hatte Freunde, die mir helfen – so viel Grund zur Dankbarkeit!

CWA hat genau fünf Gates *lol*

Am Morgen des 3. Januar – nach ca. 15 Stunden schon wieder am CWA!! – flog ich zum Skifahren nach Colorado, doch dazu folgt bald ein eigener Post. Nun bin ich bereits wieder im beschaulichen kleinen Stevens Point, Wisconsin und habe sogar schon den nächsten großen Schritt hinter mich gebracht: meinen Umzug in einen echten amerikanischen Trailer. Danke an meine tollen Freunde (Jutta, Richard, Amanda, Sarah, Bob) für die Unterstützung – ich wüsste nicht, was ich ohne euch machen sollte! Heute haben wir einen großen Schreibtisch gekauft UND sogar in den Trailer geschafft, was gar nicht so einfach war. Wir mussten dazu alle Füße abschrauben, zwei Türen aushängen und haben trotzdem noch die Wand versaut. Aber jetzt ist er drin, und zusammen mit einem großen neuen Bücherregal steht erfolgreicher Büroarbeit hoffentlich nichts mehr im Wege! Ich bin jedenfalls in meinem Element, da ich all meine Unterlagen darauf ausbreiten kann :-). Fotos von meinem neuen Zuhause folgen hoffentlich bald mal…

Dienstag, 13. Januar 2009

Nachtrag aus dem Dezember: Geschafft!

Unglaublich, aber wahr: Ich habe überlebt :-)! Nach 16 Wochen, 3186 Seiten zu lesen, 5 kurzen und 2 langen Papers, 6 Quizzes, 17 Kurzaufsätzen, 8 Klausuren, 2 Präsentationen und einem Projekt ist mein obligatorisches Auslandssemester an der University of Wisconsin – Stevens Point erst einmal vorbei. Ja, ich werde wiederkommen für das nächste Semester, um meine Bachelorarbeit zu schreiben – das ist sozusagen das i-Tüpfelchen! Aber nun bin ich erstmal frei, wenigstens für ein paar Tage…

Blick aus dem Hotelfenster auf die Magnificent Mile

Bevor es nach Deutschland geht, habe ich mir noch ein Wochenende in Chicago gegönnt. Die Stadt ist wirklich beeindruckend, gerade zur Weihnachtszeit mit den erleuchteten Straßen und geschmückten Häusern. Von meinem Hotel aus, das direkt an der Michigan Avenue – der Haupteinkaufsstraße hier – liegt, kann ich den Water Tower, das John Hancock Center und sogar einen Streifen vom Lake Michigan sehen.

John Hancock Tower und Water Tower

John Hancock Tower mit Heike

Eisschollen auf dem Lake Michigan

Da die Sonne schien, hatte ich mir vorgenommen, ein bisschen durch die Stadt zu laufen, doch leider hatte ich nicht bedacht, dass ich in der „Windy City“ bin. Bei einer Außentemperatur von -20 Celsius, die sich durch den Wind wie -30 anfühlt, frieren die Füße und Hände trotz warmer Sachen schnell ein, die Tränen steigen in die Augen und man wünscht sich nur noch ins Warme.

Faszinierende Architektur bei klirrender Kälte


"AT&T Cloud Gate" - oder einfach "Die Bohne"

So bin ich nach einem kurzen Spaziergang durch den Millennium Park gleich ins Art Institute – der Louvre Chicagos – geflüchtet. Von ägyptischen Mumien über Rembrandt bis zu Monet gibt es dort alles, was das Kunstherz begehrt (viele Grüße an Mama!). Am interessantesten fand ich aber die amerikanischen Maler sowie Fotografien der Schlacht von Gettysburg (ziemlich grausam).

Foto von Abraham Lincoln (Mitte)

In der Dämmerung bestieg ich dann noch den Sears Tower, das höchste Gebäude Nordamerikas. Ein paar kleine Weihnachtseinkäufe in Macy’s rundeten meinen Tag ab. Es gibt viel zu viel in Chicago zu sehen, als dass man das in nicht einmal zwei Tagen alles auch nur annähernd schaffen könnte. Ich muss wohl noch einmal wiederkommen…

Blick vom Sears Tower nach Westen

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Lebenszeichen

Diesmal ein anderer Post, auch ohne Fotos. Das kommt wieder, versprochen. Im Moment geht einfach nicht mehr. Denkt an mich - Finals nahen "wie ein LKW auf der Autobahn" (Lorri Nandrea)!!


Furcht vor...

...einer ganz und gar unbesinnlichen Weihnachtszeit
...keiner Verlängerung meines Visums
...gefühlten 500 Seiten aufzuholendem Lesepensum
...2 Klausuren, einem kurzen und 3 langen Papers, einem Projekt und einem Oral Report in den nächsten 2 1/2 Wochen (!!)
...Grippe
...zu viel Lärm im Wohnheim
...einer zu kurzen Winterpause


Dankbarkeit für...

...Freunde (die Wessel Walkers), bei denen ich Thanksgiving verbringen und einfach mal Mensch sein und ausspannen durfte
...einen Chef, der seinen wohlverdienten Feierabend verschiebt, um mein Paper korrekturzulesen
...eine Mitbewohnerin, die meine fast komplette Untervermietung organisiert hat
...Wisconsiner Gelassenheit beim Fahren auf schneeverwehten Autobahnen
...freundliches Zugpersonal am stressigsten Reisetag des Jahres
...Menschen, die schon meinen Namen kennen, ohne mich jemals vorher gesehen zu haben
...glücklichen "White Trash"
...unintellektuelle Konversationen und flache Witze
...verschneite Natur
...Freunde
...Familie (ob tatsächlich verwandt oder nicht)
...noch ein studiengebührenfreies Semester in den USA (für alle, die es noch nicht wussten :-))
...einen Gott, der Berge versetzen kann
...und so viel mehr. Wir vergessen viel zu schnell. Also Schluss mit dem Gejammer, Heike ;-)!


-> Wer zu einzelnen Punkten mehr wissen möchte, darf mich gerne fragen!! Und nein, es gibt diesen Blog NICHT in Englisch (sorry).

Freitag, 7. November 2008

Es ist vollbracht!

Nach langem Warten, Wahlkampf machen, Spendengelder ausgeben (für teilweise zweifelhafte Dinge...), Leute mit Spam überschütten, TV-Duelle kämpfen, tausende von Interviews geben, durch das ganze Land reisen etc. etc. war es für Barack O., Joe B., John M. und Sarah P. am vergangenen Dienstag endlich soweit: Der 4. November 2008, Election Day - der Tag, auf den die Welt seit gefühlten 100 Jahren gewartet hatte!

"I voted today"

Zuerst mal war es ein ganz gewöhnlicher Dienstag mitten im Semester. Dann allerdings sah man immer mehr Leute mit Stickern an der Kleidung "I voted today". Die Verfasserin hat auch so einen Sticker abgegriffen und wurde fortan nicht mehr belästigt ("Did you vote already????"). (Beinahe hätte ICH ja Obama den Sieg versaut!! Seht selbst: http://www.cnnbcvideo.com/index.html?nid=vwlPlEpkbZYX6.Y36mUs5Dc2NTI3NDA-&referred_by=12937026-r84L0Px - danke an Debby für das Video!! NACHTRAG: Den Link müsst ihr möglicherweise manuell in die Adressleiste kopieren!). Ich habe sogar gehört wie jemand sagte: "If you ask me another time, I will vote for John McCain!" ("Wenn du mich noch einmal fragst, ob ich schon gewählt habe, werde ich für John McCain stimmen!").

noch ist alles ruhig...

Abends konnte man dann die Stimmung mit Händen greifen. Immer mehr Leute versammelten sich vor den Fernsehern, und die Straßen waren nahezu ausgestorben. Ich war bei Bekannten zu einer guten "deutschen" Wahlparty eingeladen (danke, Mark!) - wir haben uns versammelt, gegessen, getrunken, und vor allem auf den Fernseher geachtet.

die Spannung steigt

Am Anfang sah es ja auch noch wirklich spannend aus, aber dann gewann Barack Obama nach und nach wichtige Staaten (Pennsylvania, Ohio, New York, New Mexico...), und gegen 22 Uhr Ortszeit meldeten die Fernsehsender dann "BARACK OBAMA ELECTED 44TH PRESIDENT OF THE UNITED STATES".

Die Anwesenden (wohl ausschließlich Obama-Anhänger) waren sehr erleichtert, brachen aber nicht in lauten Jubel aus, wie ich vielleicht gedacht hätte (ich musste sie fast zwingen, sich für mein Foto ein bisschen sichtbar zu freuen :-))!

Freude!!

Gemeinsam sahen wir uns dann noch McCains Rede an, in der er seine Niederlage eingestand und Obama zum Sieg gratulierte - sehr achtbar! Um 23 Uhr trat dann Obama selbst vor die Fernsehkameras und seine schätzungsweise 250.000 Fans, die in einem Park in Chicago auf ihn gewartet hatten. Die Rede war sehr amerikanisch - pathetisch, voller Stereotype, und dennoch ehrlich und bewegend. Am Ende konnten dann alle froh nach Hause gehen...


Und jetzt? Die Wiederbelebung des "American Dream"? Change? Yes we can? Wir werden sehen. Ich jedenfalls wünsche diesem großartigen Land den Geist des Aufbruchs! Trotzdem haben sich die Aktienmärkte noch lange nicht erholt - es liegt enorm viel Arbeit vor dem neuen Präsidenten. Der Benzinpreis ist übrigens um knappe 2 Dollar auf $2,18 pro Gallone gefallen - umgerechnet unglaubliche €0,45 pro Liter!!! Eigentlich müsste ich ein Beweisfoto machen, das glaubt mir ja sonst keiner ;-)!

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Ansonsten ist eigentlich alles wie immer. Die letzte Uniwoche war die stressigste bis jetzt - ich hatte zwei Präsentationen an einem Tag und musste dazu noch 2 Papers abgeben. Bis jetzt haben sich die Anstregungen gelohnt - ich habe ausschließlich "A"s bekommen :-)... Trotzdem ist mir sehr nach Ferien zumute, und Thanksgiving ist immer noch drei Wochen weg (ächz!). Gestern hat es übrigens ein wenig geschneit, nachdem vor einer Woche nochmal zwei wunderschön sonnige Tage mit ca. 25° waren. Ist allerdings nicht liegengeblieben.

Ganz liebe Grüße an euch alle - meldet euch doch mal!

Dienstag, 14. Oktober 2008

Indian Summer - und ach! die Wahl...


Ich habe zugegebenermaßen lange nichts mehr geschrieben - das liegt einfach daran, dass ich im Moment sehr beschäftigt bin. Diese Woche musste ich mehrere Papers abgeben, und auch die sogenannten Mid-Terms (Klausuren) stehen an.

Trotzdem wollte ich ein paar Bilder mit euch teilen. Der Herbst ist hier jetzt auf dem Höhepunkt bei teilweise noch erstaunlich sommerlichen Temperaturen. Überall, ob auf dem Campus oder bei Fahrradtouren in die Umgebung, sieht man wunderschöne Bäume mit Blättern in jeder Schattierung zwischen grün und knallrot.


Das große Thema hier ist natürlich die Präsidentschaftswahl am 4. November. Ehrlich gesagt bin ich ein bisschen froh, wenn das Theater dann endlich rum ist. Fast alle Gespräche drehen sich (neben der Wirtschaftslage, die bereitet vielen große Sorgen) momentan darum - Amerikaner sind nicht so unpolitisch, wie man vielleicht denken könnte! Die Zeitungen sind voll davon, und das Fernsehen strahlt jede Woche ein TV-Duell der Kandidaten aus (morgen ist das letzte). Wenn man über den Campus geht, wird man ständig angesprochen, ob man schon als Wähler registriert sei (meine Antwort ist dann leider immer: "Sorry, I'm German!"). Ich muss sagen, die Demokraten sind sehr viel aktiver als die Republikaner, und an der Uni findet man wirklich kaum jemand, der sich offen als Republikaner bekennt. Trotzdem sieht man auch immer mehr Schilder "McCain-Palin" neben den allgegenwärtigen "Obama-Biden"-Schildern. Das Rennen bleibt also spannend!

Montag, 29. September 2008

Letzter Teil Bilderflut

Bei 0,63 €/L macht sogar das Tanken Spass.

Riesiges Mobile Home zieht noch ein SUV hinterher.

Mit neuer Frisur aus dem Whirlpool

Kinder müssen auch mal auf den Spielplatz...

Improvisierter Kühlschrank für eiskalte Pepsi.

Der Abercrombie-Mann hatte es sich im Kofferraum gemütlich gemacht.

Endlose, heisse Sandberge in den Sleeping Bear Dunes.

Halt im wunderschönen Nirgendwo.

Mit Leuchtturm in der Ferne.

Samstag, 27. September 2008

A Day in Madison

am Lake Mendota

Gestern habe ich ungebührlicherweise ein Seminar geschwänzt (liebe Kinder: nicht nachmachen!!) und auch nicht gearbeitet, denn ich hatte die Möglichkeit, nach Madison zu fahren (danke, Professor Ruppel!). Für alle, die es nicht wissen: Madison, etwa zwei Stunden südlich von Stevens Point gelegen, ist die Hauptstadt von Wisconsin, nach Milwaukee die zweitgrößte Stadt (ca. 200.000 Einwohner), sowie Sitz der größten und bekanntesten Uni im UW-System.

UWM campus

Es war ein schöner, sonniger Spätsommertag, und so ging ich als allererstes – in die dunkle Unibibliothek. Der Grund dafür war ein gewichtiger: Wer im Sommer mit mir zu tun hatte, weiß, dass ich eine recht umfangreiche Hauptseminararbeit über John Foxes Actes and Monuments (besser bekannt als Book of Martyrs) geschrieben habe. Dieses Werk, erschienen zwischen 1563 und 1583, war höchst einflussreich auf die zeitgenössische Literatur und prägt die angloamerikanische Kultur noch bis heute – äußerst faszinierend! Da es nicht mehr sehr viele Originalexemplare gibt, musste ich während meiner Recherche auf Ausdrucke aus dem Internet zurückgreifen (s.u.).


Nun hatte ich aber Wind davon bekommen, dass es in Madison tatsächlich ein Exemplar von 1576 gab, und – lange Rede, kurzer Sinn – das wollte ich mir anschauen. Da ich ja an der University of Wisconsin studiere, konnte ich ganz einfach in die special-collections-Abteilung marschieren und mir das Buch bringen lassen. Ihr glaubt nicht, wie ich mich gefühlt habe, als ich diesen uralten Schinken in den Händen hielt!!! Ich bin den ganzen Tag nicht mehr aus dem Strahlen herausgekommen :-). Tatsächlich die Seiten zu berühren und die tollen Holzschnitte zu betrachten (sie wirken wirklich fast dreidimensional!!) ist etwas ganz anderes, als mit den Ausdrucken zu arbeiten. Die freundlichen Bibliothekare haben mir sogar noch eine dreibändige Ausgabe aus dem 17. Jh. gebracht, die ich aber nicht so schön fand…

Uni-Campus

Museum of Modern Art

State Street mit Capitol

Ich habe mir das Buch sehr lange angeschaut und musste mich dann irgendwann richtig davon losreißen, um noch mehr von Madison zu sehen. Es gibt enorm viele tolle Sachen in der Stadt, sodass ich leider nur einen Bruchteil anschauen konnte – ich muss wohl noch mal wiederkommen!. Nach einem kurzen Spaziergang über den Uni-Campus bin ich die State Street entlanggelaufen (der Seltersweg bzw. die Königsstraße Madisons, nur schöner ;-)). Diese Fußgängerzone verbindet das Unigelände mit dem Capitol, dem Regierungssitz des Staates Wisconsin. Es gibt unzählige hübsche kleine Läden, Cafés und Buchhandlungen. Im University Bookstore habe ich mich dann erstmal mit UW-Devotionalien und einem Vorrat an Tintenpatronen eingedeckt (die sind hier nämlich sehr teuer und selten). Es gab so viele tolle Läden, dass ich längst nicht in alle gehen konnte.

Capitol

"Liberty"

Rotunde

Im Capitol habe ich zum Schluss noch eine kostenlose Führung mitgemacht, was auch sehr eindruckvoll war. Das Gebäude, erbaut zu Beginn des 20. Jh., ist größer als das Capitol in Washington, D.C. und beherbergt alle drei Politikzweige Wisconsins: Legislative, Exekutive und Judikative. Ich war also im Gerichtssaal, im Büro des Gouverneurs, der Assembly und dem Senate. Zum Schluss genoss ich noch den Blick von der Aussichtsterasse auf die beiden Seen Madisons.

Governor's office


Senate

Assembly


Nach einer kleinen Einkaufstour (Bioladen und deutsche Bäckerei :-)) war ich dann noch mit Professor Ruppel und einer weiteren Germanistik-Dozentin aus Stevens Point in einem tollen Fischrestaurant essen. Dieses Essen war sozusagen das i-Tüpfelchen auf einem rundum gelungenen (und dazu noch für mich völlig kostenlosen!) Tag in Madison.

im Blue Marlin